| |
Früherer Ministerpräsident Dr.
Berndt Seite und Renate Holznagel
berichteten auf Einladung des
Evangelischen Arbeitskreises am
Schlossgymnasium in Kirchheim bei
einer Veranstaltung des
Elternbeirats und bei der CDU in
Reichenbach über die Wende und das
Leben unter dem SED-Regime
Über
die Wende und das Leben unter dem
SED Regime referierten Dr. Berndt
Seite, von 1992 bis 1998
Ministerpräsident von
Mecklenburg-Vorpommern, und Renate
Holznagel, seit 1998 Erste
Vizepräsidentin des Landtags von
Mecklenburg-Vorpommern. Die beiden
CDU-Politiker berichteten in
Kirchheim am Schlossgymnasium und
bei der CDU in Reichenbach über die
Wende und ihr Leben im Unrechtsstaat
DDR. Über 100 Personen kamen zu
beiden Veranstaltungen Als eine
„ganz besondere Zeit“ beschreibt
Renate Holznagel die Jahre kurz vor
und kurz nach der „Wende“, also die
Welt vor 20 Jahren. Alles habe sich
damals schlagartig geändert. Jeder
Zweite habe inzwischen einen neuen
Beruf. Für Renate Holznagel ist es
deshalb ausgesprochen wichtig,
„diese Zeit festzuhalten und sie
nicht zu vergessen“. Die Menschen
der Bürgerrechtsbewegung forderten
in der Wendezeit
Rechtsstaatlichkeit, eine
überparteilicher Justiz und die
Abschaffung des politischen
Strafrechts. „Ich kann es nicht
ertragen, wenn man heute diskutiert:
War die DDR nun ein Unrechtsstaat
oder nicht,“ äußerte die CDU
Politikerin ihren Unmut über
Tendenzen im politisch linken
Spektrum, das Unrecht des DDR-Staats
zu relativieren. Sie selbst hätte
1970 ihr Veterinärmedizinstudium
beinahe beenden müssen, weil sie
eine Resolution der FDJ nicht
unterschrieben hatte. Eingesetzt hat
sich für die Studentin die damalige
Ost-CDU, der sie es zu verdanken
hat, dass die Zwangsexmatrikulation,
die die SED-Kader forderten, nicht
stattfand. Die politischen
Forderungen aus der „Wendezeit“
bezogen sich auch auf einen freien
Zugang zu Zeitungen usw. sowie auf
eine von linken Ideologien befreite
Schule. „Die DDR war 1990
wirtschaftlich am Ende“, sagte
Renate Holznagel. Das ist der eine
maßgebliche Grund, der zum
Zusammenbruch des SED-Regimes. Dr.
Berndt Seite, der bis zur „Wende“
ebenfalls als Tierarzt in
Mecklenburg-Vorpommern tätig war,
nennt aber auch den Begriff
„Revolution“ und stellt fest: „Was
in der DDR passiert ist, hat ganz
klare Kriterien einer Revolution.“
Von dem Begriff „Wende“ hält er
nicht viel. Diesen Begriff habe Egon
Krenz geprägt. Die demokratischen
Parteien bezeichnete Berndt Seite
als die Sieger der Wahlen nach dem
Zusammenbruch der SED. Und auf eines
legt der frühere Ministerpräsident
besonderen Wert: „Wir, die
Ostdeutschen, sind dem Grundgesetz
beigetreten. Es ist nicht so, dass
uns das übergestülpt wurde.“ Die Mär
vom Überstülpen sei den Ostdeutschen
nur eingeredet worden. Und die
nachträgliche Verherrlichung der DDR
ist für Berndt Seite ebenfalls
unerträglich. In seiner Biografie
erzählt er, wie er sich 1974 unter
Zuraten seiner Frau dazu
entschlossen hat, für die
Landessynode der Evangelischen
Landeskirche zu kandidieren und
dafür Nachteile im atheistischen
Staat in Kauf zu nehmen hatte. Wer
etwas verändern wolle, müsse bereit
sein, Verantwortung zu übernehmen,
konstatierte Seite. Daran fehle es
aber heute vielfach. „Ich habe die
Leute aufgefordert, dass sie sich
politisch engagieren sollen, wenn
sie etwas verändern wollen. Aber
viele haben sich nicht getraut,“
sagte Renate Holznagel. Die
Aufbauarbeit war alles andere als
einfach: „Als wir aus dem Rat des
Kreises plötzlich ein Landratsamt
bilden sollten, haben wir viel
Unterstützung und Beratung aus
Schleswig-Holstein bekommen. Wir
wussten ja so vieles nicht, waren
aber auf einmal in der
Verantwortung.“ Berndt Seite ging es
ebenso: „Innerhalb von zwei Jahren
wurde ich Landrat, danach
Generalsekretär der CDU in
Mecklenburg - Vorpommern und
schließlich Ministerpräsident.“ Was
im Rückblick besonders spannend ist,
das ist die Frage, warum die
Revolution und der Umbruch in der
DDR friedlich und ohne Blutvergießen
gelungen sind. Für Renate Holznagel
ist es ein „göttliches Wunder“. Dass
es auch anders hätte ablaufen
können, schilderte Berndt Seite,
wenn er über eine Demonstration in
seinem Heimatort schreibt: „Die
Nachricht von der Demonstration
verbreitete sich in der Stadt wie
ein Lauffeuer: „In den gelben
Gliederbussen, die neben der
Demonstration am Marktplatz geparkt
waren, hatten schwer bewaffnete
Polizisten gelegen, bereit zum
Angriff.“ |
|
| |
Von
links Vizepräsidentin des Landtags
von Mecklenburg-Vorpommern Renate
Holznagel, Ministerpräsident a.D.
Dr. Berndt Seite, Erwin Hees,
Vorsitzender des CDU
Gemeindeverbands Reichenbach,
Apostolos Milionis, EAK
Kreisvorsitzender. |
|
| |
Von
links Peter Schuster,
stellvertretender Vorsitzender des
Evangelischen Arbeitskreises,
Ministerpräsident a.D. Dr. Berndt
Seite, Vizepräsidentin Renate
Holznagel, Apostolos Milionis,
Vorsitzender des Evangelischen
Arbeitskreises. |
|